In vielen Maisäckern im Landkreis Rosenheim stehen zur Zeit Elektrozäune mit weithin sichtbaren weißen Pfählen. Sie wurden mit Einverständnis der Landwirte errichtet, um die Kiebitze beim Brüten zu schützen. Die Zäune stehen in zwölf Gemeinden, von Bruckmühl bis Eggstätt und von Bad Aibling bis Babensham.

Die Kiebitze sitzen als Bodenbrüter circa vier Wochen auf ihren Nestern. Ohne den Schutz durch die Zäune werden die Eier oft nachts von ihren Feinden wie Fuchs, Dachs oder Marder gefressen. Der Verlust der Gelege ist gravierend, da der Kiebitz im Landkreis Rosenheim vom Aussterben bedroht ist. Pro Jahr sollten im Schnitt 0,8 Jungvögel pro Brutpaar flügge werden, um die Population zu erhalten. Andernfalls erlischt sie, wie in vielen Gegenden Bayerns bereits geschehen. Der Rückgang der Kiebitzvorkommen lag in den letzten Jahrzehnten bundesweit bei über 90 Prozent.

Um diesen Trend zumindest lokal zu stoppen, errichten die ehrenamtlichen Kiebitzbetreuerinnen und Kiebitzbetreuer des Landkreises Rosenheim seit einigen Wochen Elektrozäune, nachdem die markierten Gelege von den Landwirten bei der Bewirtschaftung ihrer Äcker ausgespart wurden. Die eingezäunte Fläche um ein Kiebitzgelege muss mindestens 30 x 30 Meter groß sein, da die Vögel nicht direkt zum Nest fliegen, sondern etwas entfernt von ihm landen und dann zum Gelege laufen. Bis Anfang Juni wurden 42 Zäune mit einer Länge von insgesamt 6,2 Kilometern errichtet und dadurch 57 Gelege erfolgreich geschützt, das ist etwa ein Drittel der bisher gefundenen Nester.

Margit Böhm, die Leiterin des BayernNetzNatur-Projektes „Netzwerke für den Kiebitz“ im Landkreis Rosenheim bedankt sich bei den beteiligten Landwirten für die hervorragende Zusammenarbeit und bei den ehrenamtlichen Kiebitzbetreuerinnen- und Betreuern für ihren unermüdlichen und oft sehr anstrengenden Einsatz zum Schutz der Kiebitze.

Mehr Informationen zu Kiebitzen gibt es bei Margit Böhm von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim, telefonisch unter 08031 392 3301.

Gut geschützt brüten die Kiebitze auf einem Feld in der Gemeinde Pfaffing, damit die vier Küken schlüpfen können.

Gut geschützt brüten die Kiebitze auf einem Feld in der Gemeinde Pfaffing, damit die vier Küken schlüpfen können.