Rosenheimer Kreistag beschließt einstimmig Einrichtung eines Pflegestützpunktes

Um pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige umfassend beraten zu können, will der Landkreis Rosenheim einen Pflegestützpunkt einrichten. Der Rosenheimer Kreistag beauftragte die Landkreisverwaltung einen „Einrichtungsantrag“ bei der Kommission Pflegestützpunkte zu stellen und mit den Kranken- und Pflegekassen sowie dem Bezirk Oberbayern als gemeinsame Träger einen „Pflegestützpunktvertrag“ abzuschließen.

Der Landkreis Rosenheim wird das neue Angebot in Zusammenarbeit mit der Stadt Rosenheim einrichten, sagte Landrat Otto Lederer. Beide Kommunen werden dazu Personal einstellen und den Betrieb sicherstellen. Auf Basis der Einwohnerzahlen werden der Landkreis 4,36 Vollzeitstellen und die Stadt eine Vollzeitstelle tragen.

Geplant ist, eine gemeinsame, zentral gelegene, ausreichend große, barrierefreie und mit dem Öffentlichen Personennahverkehr erreichbare Räumlichkeit anzumieten. Zudem kann der Bezirk Oberbayern an einem Beratungstag pro Woche über seine Leistungen, insbesondere über die Hilfe zur Pflege und die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen, informieren. Das Beratungsangebot soll sich aber nicht nur auf den Pflegestützpunkt in Rosenheim beschränken. Landrat kündigte an, dass das Beratungspersonal auch in der Fläche präsent sein soll.

Für Menschen mit Pflegebedürftigkeit als auch für pflegende Angehörige ist die Pflegeberatung wichtig. Beratungsangebote und Leistungen gibt es unter anderem von den Pflegekassen, vom Bezirk Oberbayern, vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen, von Wohlfahrtsverbänden, ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten, Sozialwerken, Nachbarschaftshilfen oder privaten Anbietern. Wesentliches Merkmal dieser vielfältigen Angebote sind klar abgegrenzte Zuständigkeiten. Zudem sind die Fachstellen für pflegende Angehörige ergänzend zur Pflegeberatung in Stadt und Landkreis tätig.

Nicht vorhanden ist dagegen ein umfassendes, unabhängiges, trägerneutrales und wohnortnahes Beratungsangebot, wie es durch einen Pflegestützpunkt zur Verfügung gestellt werden kann. Ziel der „Beratung aus einer Hand“ ist ein koordiniertes Beratungs- und Unterstützungsangebot, einschließlich einer wohnortnahen und möglichst abgestimmten Versorgung.

Im Landkreis Rosenheim leben derzeit mehr als 56.000 Personen, die 65 Jahre oder älter sind. Das entspricht einem Anteil von etwa 21,6 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Landkreis. Es wird erwartet, dass ihr Anteil im Jahr 2050 auf mehr als 30 Prozent ansteigen wird. Damit einhergehen wird eine Zunahme älterer Menschen, die unterstützungs- und pflegebedürftig sind.

Die Freie Wähler-Kreistagsfraktion hatte die Einrichtung eines Pflegestützpunktes für den Landkreis Rosenheim vor einem Jahr beantragt. Im März beschloss der Kreisausschuss, den Antrag zunächst zurückzustellen und die Sachlage zu bewerten. Zudem wurde zwischenzeitlich die Zusammenarbeit mit dem Bezirk Oberbayern, den Kranken- und Pflegekassen und der Stadt Rosenheim abgestimmt. Die AfD-Kreistagsfraktion stellte im September den Antrag, die Einrichtung eines Pflegestützpunktes zu prüfen.