Der vorliegende Lagebericht soll die aktuelle Situation in Stadt und Landkreis Rosenheim zu Erkrankungen mit dem neuartigen Coronavirus (COVID-19) widerspiegeln. Die Daten beruhen auf den Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz bis zum 10.09.2020 24 Uhr. Aufgrund von Aktualisierungen kann es zu Veränderungen kommen.

Aktuelle Empfehlungen:

Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim weist darauf hin, dass zunehmend Erkrankungsfälle an COVID-19 bei Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Landkreis Rosenheim auftreten, die aus dem Ausland zurückgekehrt sind. Insbesondere bei der Stadt Rosenheim wird dies deutlich:
Vom 1. August bis zum 10. September wurden für die Stadt Rosenheim 135 neue Erkrankungsfälle registriert, davon waren 111 Personen (= 82 Prozent) Reiserückkehrer. Allein in den letzten sieben Tagen wurden von insgesamt 38 Fällen 28 Reiserückkehrer positiv getestet. Dies führt dazu, dass der Wert der 7-Tages-Inzidenz, d.h. der Zahl an Neuerkrankungen in den letzten sieben Tagen bezogen auf 100.000 Einwohner, für die Stadt Rosenheim auf 60,01 angestiegen ist. Der Leiter des Rosenheimer Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Hierl, erläutert: “Alle positiv getesteten Reiserückkehrer wurden durch das Gesundheitsamt umgehend über das Testergebnis informiert, sobald uns der Befund vorlag. Bei den Erkrankten und ihren engen Kontaktpersonen wurde umgehend eine häusliche Quarantäne angeordnet. Darüber hinaus wurde sowohl in Stadt und Landkreis Rosenheim eine Allgemeinverfügung erlassen, mit der geregelt wird, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten einen zweiten Test in der Zeit vom 5. bis zum 7. Tag nach Einreise durchführen lassen müssen, um eine Aufhebung der Quarantäne zu erreichen. Die Allgemeinverfügung der Stadt Rosenheim beschränkt zudem Kontakte im öffentlichen Raum und begrenzt die Anzahl von Teilnehmern nicht öffentlicher Veranstaltungen und Versammlungen. Für das Landkreisgebiet gelten diese beiden Maßnahmen als dringende Empfehlungen.“ Darüber hinaus wurden zusätzliche Infektionsschutzmaßnahmen für Schulen und die Kindertagesbetreuung der Stadt Rosenheim durch das Gesundheitsamt angeordnet. Es gilt ab nächster Woche bis einschließlich 18.09. für alle Schulen einschließlich der Grundschulen und Grundschulstufen der Förderzentren eine allgemeine Pflicht zum Tragen für Mund-Nasen-Bedeckung für alle auf dem Schulgelände befindlichen Personen – auch im Unterricht. Ab dem 21.09. werden die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen zum Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung auch am Sitzplatz im Klassenzimmer während des Unterrichts verpflichtet, wenn dort ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Für die Kindertagesbetreuung gilt ebenfalls ab nächster Woche folgende Regelung: Es können weiterhin alle Kinder die Einrichtung besuchen. Soweit Einrichtungen offene oder teiloffene Konzepte umsetzten, müssen wieder feste Gruppen gebildet werden, um eine bessere Nachverfolgbarkeit im Falle eines Ausbruchsgeschehens zu erleichtern. Die Beschäftigten müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Dr. Hierl erklärt dazu: „Wir haben hier eine zusätzliche Sicherheitsbarriere geschaffen, um zu verhindern, dass bislang unerkannte Erkrankungen in Schulen und Kindertagesstätten eingebracht werden. Die Maßnahme dient dem Schutz der betreuten Kinder und Jugendlichen und auch der Lehrkräfte bzw. Erzieherinnen und trägt dazu bei, dass präventiv eine Ausbreitung der Infektionen in der Bevölkerung verlangsamt werden soll. Derzeit sind alle erforderlichen Maßnahmen veranlasst. Das Gesundheitsamt beobachtet und analysiert die Lage auch weiterhin sehr genau.“

Grafik: Bestätigte COVID-19_Fälle in Stadt und Landkreis Rosenheim

Grafik: Bestätigte COVID-19-Fälle in Rosenheim
Bei den Reiseländern der Erkrankten handelte es sich insbesondere um das Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Rumänien, Serbien und Italien.

Grafik: Positiv getestete Reiserückkehrer in Stadt und Landkreis Rosenheim

Grafik: Positiv getestete Reiserückkehrer Stadt Rosenheim

„Bei den Neuerkrankungen ist zwischenzeitlich eine Trendumkehr eingetreten. Der Anstieg der Fallzahlen und insbesondere die hohe Zahl an infizierten Reiserückkehrern bereiten uns erhebliche Sorgen. Ich appelliere daher eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, sich sowohl zu Hause als auch im Urlaub weiterhin verantwortungsvoll an die AHA-Regeln, das sind das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Metern, die Hygienemaßnahmen mit Husten- und Niesregeln sowie regelmäßigem Händewaschen und die Verwendung von Alltagsmasken, einzuhalten zum Schutz unserer Gesundheit. Der Anstieg der Fallzahlen sollte für uns eine Warnung sein; wir dürfen das Erreichte keinesfalls verspielen!“, sagt Hierl. „Seit Überschreiten des Schwellenwertes von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern in der Stadt Rosenheim wurden zusätzliche Infektionsschutzmaßnahmen per Allgemeinverfügung erlassen, um dem weiteren Anstieg der Fallzahlen rechtzeitig entgegenzusteuern“, erläutert Hierl.

Allgemein wurde von der Bundeskanzlerin und den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder ein Schwellenwert von 50 bei der 7-Tage-Inzidenz eingeführt, bei dem die Landkreise und kreisfreien Städte sofort ein konsequentes Beschränkungskonzept umsetzen müssen. Die Bayerische Staatsregierung hat darüber hinaus einen Signalwert von 35 Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen festgelegt, damit von den Kreisverwaltungsbehörden rechtzeitig die Zunahme der Fallzahlen analysiert und Maßnahmen zur Gegensteuerung ergriffen werden können.

Grafik: 7-Tages-Inzidenz Stadt Rosenheim

Grafik: 7-Tages-Inzidenz Stadt und Landkreis Rosenheim

Fallzahlenentwicklung:

Am 10.09.2020 wurden dem Gesundheitsamt 12 neue Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet. Seit dem letzten Wochenbericht mit Stand 03.09.2020 24 Uhr wurden dem Gesundheitsamt 86 neue Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet (Stand 03.09.2020 24 Uhr: 52 Fälle). Bisher sind insgesamt 3168 Fälle von COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 2492, Stadt: 676). Mittlerweile wurde bei mindestens 2820 Personen eine Genesung dokumentiert. 222 Personen sind bis zu diesem Zeitpunkt an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 199, Stadt: 23). Von den Verstorbenen waren 7 Personen unter 60 Jahren. 145 Verstorbene waren über 80 Jahre alt. Ein COVID-19-Patient wird aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär auf Normalstation behandelt, kein Patient befindet sich derzeit auf einer Intensivstation.
Die 7-Tages-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner während der letzten 7 Tage) liegt mit Stand 11.09.2020 (0:00 Uhr) für die Stadt Rosenheim bei 60,01, für den Landkreis Rosenheim bei 18,39.

Verteilung der Gesamtzahl der Fälle und der Genesenen auf die Gemeinde:
Bei der berichteten Verteilung der Fälle auf die Gemeinden kann es durch festgestellte Ausbrüche z.B. in Pflegeeinrichtung zu einer deutlich höheren Fallzahl kommen als in umliegenden Gemeinden. Im Rahmen von Reihenuntersuchungen werden hier Fälle entdeckt, die in anderen Gebieten nicht entdeckt wurden, so dass die Fallzahlen kein Abbild der Erkrankungen in der Bevölkerung darstellen. Hierbei werden auch Personen positiv getestet, die einen Verlauf ohne Symptome zeigen. Zusätzlich kann das Testverhalten zu regionalen Unterschieden führen. Deshalb kann man im Moment keine Rückschlüsse auf eine höhere oder niedrigere Gefahr in den unterschiedlichen Gemeinden ziehen. Aufgrund von Aktualisierungen kann es zu Veränderungen kommen.

* Bei einer Fallzahl kleiner 5 erfolgt aus Datenschutzgründen keine Auswertung der Genesenen.
Grafik: Fallzahlen der Gemeinden

Kontaktpersonen:

Vorübergebend wurde die Aufgabe der Nachverfolgung von Kontaktpersonen von COVID-19-Erkrankten durch die Landkreisgemeinden bzw. die Stadt Rosenheim übernommen. Aufgrund der gesunkenen Fallzahlen hat das Gesundheitsamt zum 01.07.2020 die Kontaktpersonennachverfolgung wieder selbst übernommen. „Ohne die zuverlässige Zuarbeit der Gemeinden hätte die Kontaktpersonennachverfolgung nicht so schnell wieder zeitnah und vollständig erfolgen können.“, so Hierl. Durch Beschluss des Bayerischen Ministerrats wurden den Gesundheitsämtern neue Stellen für die Kontaktpersonennachverfolgung bewilligt. Seit Anfang August hat ein Großteil der neuen Mitarbeiter am Gesundheitsamt Rosenheim ihre Tätigkeit begonnen. Bei der Kontaktpersonennachverfolgung wird umfassend ermittelt, ob ein enger Kontakt mit erhöhtem Infektionsrisiko bestanden hat. Diese engen Kontaktpersonen der Erkrankungsfälle werden zeitnah kontaktiert und über die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen und die Verpflichtung zu einer 14-tägigen häuslichen Quarantäne belehrt und auf SARS-CoV-2 untersucht. Treten bei den Kontaktpersonen Atemwegssymptome auf, so sind sie verpflichtet, diese umgehend gegenüber dem Gesundheitsamt mitzuteilen.

Durch Allgemeinverfügungen des bayerischen Gesundheitsministeriums ist automatisch für alle bestätigten Erkrankungsfälle und deren enge Kontaktpersonen eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Eine mündliche oder schriftliche Anordnung durch die Kreisverwaltungsbehörde ist nicht mehr notwendig.

Reiserückkehrer:

Viele beliebte Urlaubsziele der Deutschen stehen in der Liste der Corona-Virus-Risikogebiete des Robert Koch-Instituts. Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim fordert die Reisenden auf, diese Liste zu beachten. In einem Merkblatt weist die Gesundheitsbehörde zudem auf die Regelungen der Bayerischen Einreisequarantäneverordnung hin. Sie regelt unter anderem, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten für 14 Tage in häusliche Quarantäne müssen. Dieser Zeitraum lässt sich verkürzen, zum Beispiel wenn sich Urlauber in den letzten 48 Stunden vor der Rückkehr noch im Urlaubsland oder unmittelbar nach der Einreise am Grenzübergang, am Flughafen oder beim Hausarzt testen lassen. Erst nach Vorlegen eines weiteren zweiten negativen Tests, der in der Zeit vom 5. bis zum 7. Tag nach Einreise durchgeführt wurde, kann die Quarantäne durch das Gesundheitsamt Rosenheim aufgehoben werden.

Seit dem 8. August ist bundesweit die Regelung in Kraft getreten, dass Personen, die aus Risikogebieten in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, bis zu 14 Tage nach Einreise auf Anforderung des zuständigen Gesundheitsamtes ein ärztliches Zeugnis über eine Testung auf das Coronavirus vorlegen müssen. Personen, die kein solches Zeugnis vorlegen können, sind verpflichtet, eine ärztliche Untersuchung zu dulden.

Die Rosenheimer Gesundheitsbehörde fordert alle Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Landkreis Rosenheim auf, sich nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet umgehend per E-Mail unter ga.reiserueckkehrer@lra-rosenheim.de zu melden. Um mögliche Infektionsketten so schnell wie möglich unterbrechen zu können, ist dem Gesundheitsamt die telefonische Erreichbarkeit besonders wichtig. Zu den Risikogebieten gehören derzeit etliche europäische Staaten wie zum Beispiel Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Serbien oder Spanien und einige Gebiete in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Rumänien, Schweiz sowie die Stadt Prag. Darüber hinaus listet das Robert Koch-Institut auch zahlreiche beliebte Reiseländer auf wie Ägypten, Türkei oder USA auf.

Das Merkblatt zu den Regelungen der Bayerischen Einreisequarantäneverordnung ist auf der Startseite von www.landkreis-rosenheim.de im Aushang „COVID-19“ zu finden.

Seit dem 30.07. wird Einreisenden auch an der Autobahn A93 die Möglichkeit einer Testung angeboten. Am 19.08.2020 ist die Teststation an den Rastplatz Heuberg umgezogen. Die Tests werden sehr rege in Anspruch genommen.
Darüber hinaus startete zum 1. September ein kommunales Testzentrum an der Rosenheimer Loretowiese, das in Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis Rosenheim betrieben wird. Es wird gebeten, über den Online-Terminkalender unter der Internetseite https://rosenheim.coronatest.bayern einen Testtermin zu vereinbaren. Beim Betreten des Testzentrums ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen (in der Warteschlange und in ihrem Pkw!) und in der Warteschlange mindestens 1,5m Abstand zu anderen Personen einzuhalten. Damit die Registrierung vor Ort zügig erfolgen kann, wird gebeten, ein Smartphone mit einem QR-Code-Scanner mitzubringen.
Das Gesundheitsamt bittet um Beachtung, dass am Testzentrum an der Loretowiese keine Personen mit Erkältungssymptome oder gar an COVID-19 Erkrankte oder Verdachtsfälle getestet werden können. Ebenso wird keine Testung bei Kindern unter 6 Jahren durchgeführt. In diesen Fällen ist der Test an der Haus- oder Kinderarztpraxis oder in einer speziellen Infektpraxis durchzuführen. Täglich finden etwa 300 Testungen an der Loretowiese statt.

Weitere Berichte zur Situation in Bayern und Deutschland finden Sie auf den Seiten des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Robert Koch-Instituts:

https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/coronavirus/karte_coronavirus/index.htm
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html