Über 150 Obstsorten – überwiegend Apfelsorten – haben zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Obstsortenausstellung im Bauernhausmuseum in Amerang am 6. November 2022 bewundert. Im Stall des ehemaligen Bernöderhofs warteten Vorträge und Infostände zum Thema. Viele Interessierte brachten zudem ihre eigenen Sorten mit, um sie von einem Fachmann bestimmen zu lassen.

Der deutschlandweit führende Pomologe Hans-Joachim Bannier begutachtete die Fruchtproben der Besucherinnen und Besucher. In einer dichten Traube drängten sich Sortenkenner aus der Region um den Fachmann, um ihm dabei über die Schulter zu schauen. Dabei konnte nicht jede Sorte zweifelsfrei zugeordnet werden. Diesen Sorten soll nun weiter nachgeforscht werden. Vielleicht werden auch sie den künftigen Sortenerhaltungsgarten des Landkreises Rosenheim, der derzeit am Ortsrand von Höhenmoos, Gemeinde Rohrdorf entsteht, bereichern.

Vergessene regionale Sorten von Apfel und Birne zu erhalten sowie das Wissen darum wieder zu verbreiten, ist das Ziel des Biodiversitätsprojektes „Apfel-Birne-Berge“, wie Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl in einem Kurzvortrag betonte. Neben dem eigentlichen Sortenerhalt gehört auch die Organisation von Pomologie-Kursen und Ausstellungen zu den Aufgaben des Projektes.

In einem weiteren Kurzvortrag stellte der regionale Pomologe Georg Loferer die gängigen Streuobstsorten von Apfel, Birne und Zwetschge vor. Die Fruchtqualität und die Eignung zum Anbau haben sich in den vergangenen Jahren klimabedingt geändert. Umso wichtiger ist es, sich mit alten Sorten zu beschäftigen und sie zu erhalten.

Auch das Thema Verwertung wurde angesprochen, was insbesondere für früh reifende Birnensorten ein Problem darstellt: Die oft sehr großen Bäume beschenken ihre Besitzer mit großen Ernten zu einer Zeit, wo die Saftpressen noch geschlossen haben. Wohin also mit der Ernte? Eine mögliche Lösung ist die Verarbeitung zu Edelbrand. Die beiden Obstbrenner Christian Stocker aus Tattenhausen und Christian Steinbichler aus Prien erklärten den Interessierten den aufwändigen Herstellungsprozess und wie man als Obstbaumbesitzer ohne eigene Brennerei diese Verwertungsmöglichkeit nutzen kann. An ihren Ständen konnten die Besucherinnen und Besucher sortenreine Brände verkosten, die im Rahmen von Verwertungsversuchen aus teils namenlosen Sorten aus der Region hergestellt wurden.

Kreisfachberater Roman Pröll und Susanne Summerer standen für Fragen zum Obstanbau in Hausgarten und Streuobstwiese zur Verfügung. Sie freuten sich über das stimmige Gesamtambiente und das große Interesse an den alten Streuobstsorten. Weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Bauernhausmuseum sollen folgen.

Weitere Informationen zu „Apfel-Birne-Berge“ als Veranstalter der Sortenausstellung finden Sie unter www.apfel-birne-berge.de.

Der deutschlandweit führende Pomologe Hans-Joachim Bannier begutachtete die Fruchtproben der Besucherinnen und Besucher und versuchte, die Sorte zu bestimmen. (Foto: Roman Pröll/Landratsamt Rosenheim)

Der deutschlandweit führende Pomologe Hans-Joachim Bannier begutachtete die Fruchtproben der Besucherinnen und Besucher und versuchte, die Sorte zu bestimmen. (Foto: Roman Pröll/Landratsamt Rosenheim)

Rund 150 Apfelsorten gab es bei Obstsorten-Ausstellung im Bauernmuseum in Amerang zu begutachten. (Foto: Roman Pröll/Landratsamt Rosenheim)

Rund 150 Apfelsorten gab es bei Obstsorten-Ausstellung im Bauernmuseum in Amerang zu begutachten. (Foto: Roman Pröll/Landratsamt Rosenheim)