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Die Innschifffahrt

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Die Innschifffahrt

Salz, Erz, Holz, Wein, Gewürze, feine Tuche, Metallwaren, Tiere, Truppen, Kriegsgerät und vor allem Getreide – alles wurde bis vor 150 Jahren auf dem Inn transportiert. Außer dem Marktrecht war noch das Anschüttrecht entscheidend: danach musste alles an einem Hafen ankommende Getreide ausgeladen, „angeschüttet“ und gebührenpflichtig gemessen werden, ein besonders für Rosenheim wesentlicher Wirtschaftsfaktor.

Der Fluss, der im Winter einen sehr niedrigen Wasserstand hatte, sich aber im Frühsommer mit den Schmelzwassern des Gebirges zu einem Land verschlingenden Ungeheuer verwandelte, erforderte erfahrene und mutige Schiffsleute mit Spezialbooten. Diese Plätten und Zillen wurden in Neubeuern, Nußdorf, Rosenheim und Wasserburg gebaut. Rosenheim und Wasserburg waren zudem die zentralen Handelshäfen, die in Kriegszeiten auch für Truppentransporte genutzt wurden. Während der Türkenkriege überführten die Neubeurer ganze Armeen aus Italien nach Wien und Belgrad. Noch 1809 wurden bayerische Truppen zur Bekämpfung des Tiroler Aufstands auf dem Wasser transportiert.


Die Bedeutung der Innschifffahrt lässt sich ermessen, wenn man den Aufwand bedenkt, der erforderlich war, um beispielsweise 200 Tonnen Getreide oder Salz zu bewegen. Flussaufwärts mussten hierzu drei große Zillen mit neun Hilfszillen und -plätten von 60 bis 70 Pferden gezogen werden. Zu Land entsprach dies der absurden Zahl von 400 Bauernwägen mit insgesamt 1700 Pferden oder von 1400 Saumrossen, die mit je 150 kg beladen waren. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb damit das Treideln auf dem Inn die effektivste Art des Güter-Fernverkehrs. Spätere Versuche, Dampfschiffe einzuführen, blieben eine Episode, denn kleine Transportschiffe waren unrentabel und größere konnten den Fluss nicht befahren. Der flache bayerische Inn blieb nämlich bis Ende des 19. Jahrhunderts unreguliert und schwemmte jedes Jahr Unmengen von Kies heran, wodurch sich das Flussbett immer wieder änderte und neue Seitenarme bildete.

Zum entscheidenden Konkurrenten der Schifffahrt wurde die Eisenbahn. Die ideale Verkehrslage der Rosenheimer Region wurde 1856 bis 1858 für den Bau der Maximiliansbahn von München über Aibling, Endorf und Prien nach Salzburg sowie nach Kufstein und Innsbruck mit dem zentralen Knotenpunkt Rosenheim genutzt. Der fahrplanmäßige Personenverkehr auf dem Inn wurde kurz darauf eingestellt. Das erste Wasserkraftwerk nördlich von Wasserburg in Töging bereitete 1919 dann auch der letzten Plätte, die Inntaler Zement verschiffte, das Ende.

Nicht minder einschneidend war der Ausbau des Fernstraßen-Netzes. Bereits seit 1740 verliefen modern ausgebaute Poststraßen entlang der Mangfall und des Inns. Ab 1935 legten parallel dazu die bereits in der Weimarer Republik geplanten Autobahnen die Grundlage für die Verkehrsströme der Gegenwart.

Aus dem Buch „Herrliches Rosenheimer Land“, Christine und Klaus J. Schönmetzler, Kurt Schubert, Klaus G. Förg, Edition Förg, 2002

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